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Sommerlager 2008 am Grüntensee

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im Oberallgäu vom 22.07.08 bis zum 01.08.08

Am 22.07.08 brachen 21 Rote Milane auf, um dass schöne, bergige Bayern unsicher zu machen. Genauer verschlug es uns an den Grüntensee, einem Stausee, der unterhalb der mächtigen Berge des Oberallgäus liegt.
Schon kurz nach unserer auf dem Campingplatz waren wir die SENSATION für unsere Nachbarn und weitere Camper, die uns beim Aufbau der Kohten und Jurte genau zuschauten. Es hatte schon etwas von einer Wildtier Beschauung (Versammlung der Nachbarn auf einer Terrasse, die einen wunderbaren Ausblick auf unser Lager bot), doch Pfadfinder und Pfadfinderinnen in freier Wildbahn zu erleben, ist für viele doch immer wieder ein großes, ungewöhnliches Erlebnis. Mit unseren Zelten brachten wir ja auch zugegeben etwas Exotik und Abwechslung auf den Campingplatz. Es war Abend geworden, als wir mit allem fertig waren und es etwas zu essen gab. Während des Abendessens wurden die zwei Spiele vorgestellt, die über die komplette Lagerzeit gehen sollten.
Zum einem das Mörderspiel, bei dem ein „Mörder“ versucht alle mithilfe einer Mörderkarte „umzubringen“. Die Gruppe versucht natürlich das zu verhindern und den Mörder zu überführen. Manchmal wurde der „Mörder“ schon nach wenigen Stunden durch kluge Kombination entlarvt, so dass einige zu der „Ehre“ kamen „Mörder“ zu spielen. Das zweite Spiel bildete einen schönen Gegenpol zum ersten Spiel. Jeder zog eine Person, die er oder sie mit kleinen Nettigkeiten beglücken sollte, erst am Ende des Lagers wurde dieses Spiel schließlich aufgelöst.

Nach einer kurzen Nacht ging es am nächsten Morgen daran den Lagerplatz einzurichten. Es wurde viel Nützliches gebaut, aber die Hängematte und der Fahnenmast, an dem stolz unsere neue Stammesfahne im Wind wehte, wenn er mal blies, waren wohl das Beste.Am Nachmittag trauten sich die Ersten in den eiskalten See, worauf sich immer mehr in den See wagten. Dieser, hatte man sich an die Temperatur gewöhnt, sich herausragend zum schwimmen eignete. Die meiste freie Zeit wurde von da an täglich am, im oder auf dem Wasser verbracht. Manche Sipplinge entwickelten sich zu wahren Wasserflöhen, die kaum aus dem kühlen nass zu treiben waren. Durch den See und das daraus folgende Duschen kamen wir so sauber nach Hause, wie auf keinem vorherigen Lager.

Als es für uns am nächsten Nachmittag in die nah gelegene Käserei ging, konnten wir uns nicht nur mit der reizvollen Umgebung vertraut machen, sondern auch mit der etwas absurden Beschilderung der Wanderwege. Neben den Ortsangaben gaben diese auch die Wegzeit bis dorthin preis, was beim ersten Schild noch zur Erheiterung führte, da die Käserei anscheinend zum greifen nah war. Nachdem sich die Wegzeit sich jedoch beim darauf folgenden Schild verdoppelte und beim nächsten zu noch mehr Verwirrung sorgte, beschlossen wir sie einfach zu ignorieren. Wie die Bayern die Zeit für die einzelnen Abschnitte gemessen haben und in welchem Tempo man sie gehen muss ist uns bis heute ein Rätsel.

Endlich in der Käserei angekommen wurden wir in das Geheimnis der Käseherstellung eingeweiht, dabei umwabberte uns der milde Geruch einer gut bestückten Käsehandlung, der so manchen ziemlich blass aussehen ließ. Nach der Käserei-Führung erhielten wir noch eine Käselehrstunde im dazugehörenden Gasthof. Jeder bekam ein Teller mit verschiedenen Käsesorten, Milch und Brot, während die einzelnen Sorten vorgestellt wurden, aßen wir uns durch sie. Die ersten drei Sorten waren geschmacklich noch essbar, doch die letzten waren so salzig und intensiv im Geschmack, dass nur die wenigsten mehr als ein Häppchen aßen.


Wieder auf dem Lagerplatz zurück ging es… ins Wasser. Als es dämmerte begann wohl der aufregendste Teil des Lagers für die 5 Eisvögel und den Falken, sie sollten ihr Versprechen zum Jungpfadfinder ablegen. Zu diesem Zweck begab sich der komplette Stamm an den Ufersaum des Sees. Die 6 Versprechensableger machten jedoch kein gewöhnliches Versprechen, sondern schritten eine Lichterspur durch den Wald ab, der schließlich am Ufersaum endete, wo schon der Rest des Stammes ungeduldig auf sie wartete. Es war dunkel und kalt geworden, als die 6 ihr Versprechen unter einem klaren Sternenhimmel ablegten. Nach der Versprechensfeier gingen wir zusammen durch den Wald, der am See entlang

führte, zum Lagergrund. Kurios war an diesem Wald, dass Schilder mit Informationen über die im See lebenden Fische am Wegesrand aufgestellt worden waren. Bis weit nach Mitternacht saßen wir am Feuer, bis sich der bzw. die letzte in den Schlafsack trollte.
Am nächsten Tag herrschte eine große Aufbruchsstimmung. Die Kohten wurden abgebaut und auf die einzelnen Sipplinge verteilt, Rucksäcke umgepackt und von unnötigen Balast befreit. 3 Gruppen sollten an diesen schönen Freitagmorgen auf ein 3-tägiges Hajk aufbrechen, dass sie in die entlägendsten Gegenden und auf die steilsten und höchsten Berge des Oberallgäus führen sollte. Über diesen Hajk sollte lieber jede Gruppe selbst einen eigenen, extra Bericht schreiben, denn die Erlebnisse und Eindrücke die jede Gruppe und jeder einzelne selbst während dieser Zeit gesammelt hat, sind so vielfältig und unterschiedlich und würden einfach hier den Rahmen sprengen.
Am Sonntag kehrten alle 3 Gruppen, mehr oder weniger vollständig und heil, zum Lagerplatz zurück um sich von den erlebnisreichen, vergangenen Tagen auszuruhen. Während einige noch genug Energie hatten um zu schwimmen, Tretboot zu fahren oder barfuss Fußball zu spielen, "schimmelte" der verliebende Teil am Lagerplatz herum.
Obwohl alle Gruppen den ganzen Tag gefaulenzt hatten, bot jede ein klasse Programmpunkt bei der offenen Bühne am Abend da, sogar die daheim gebliebenen, hatten etwas vorbereitet. Die erste Gruppe informierte und unterhielt den Stamm durch die wichtigsten Nachrichten des Hajks und Anrufgewinnspiele ohne Gewinne auf den selbst erfunden Sender BdP TV, die zweite Gruppe trug ein lustiges Gedicht zum Hajk vor, mit der klaren Botschaft „Ruth ist gut“. Die letzte Hajkgruppe spielte ein kurzes, heiteres Theaterstück vor, mit dem schönen Titel „Tante Gerhalde kommt zu Besuch“, das nie richtig in Gang kommen konnte, da der Regisseur andauernd abbrach, um seinen Akteuren neue, widersprüchliche Anweisungen zu geben. Zum Schluss boten die 5 daheim gebliebenen ein fantastisches Stück über den qualvollen Tod eines Vegetariers dar, der bei den Pfadfindern verhungern musste, da diese nur Fleisch aßen. Dieses Stück belustigte nicht nur die Fleischfresser im Stamm, sondern auch die zwei Vegetarierinnen. Nach den Aufführungen saßen wir noch bis weit nach der Nachtruhe beisammen und sangen zusammen, bis sich dann doch ein Camper beschwerte und wir leider aufhören mussten.
Am Montag liefen wir nach dem Frühstück zur Reifenrodelbahn, die gleich neben dem Campingplatz lag. Fast alle hatten einen riesen Spaß mit den massiven Reifen und vollem Körpereinsatz die Bahn runter zu sausen, sich in die Kurven zu legen, hoch an den Bahnrand gedrückt zu werden und sich die ein oder andere Schürfwunde und Kratzer zu holen. Besonders lustig sahen dabei die Jüngeren aus, die knallgelbe Schutzhelme tragen mussten und somit auffälliger waren. Neben der Möglichkeit mit Reifen zu rodeln konnte man auch mit Plastikschlitten, für die mehrere, nebeneinander liegende Bahnen zur Verfügung standen, rodeln, woraufhin sich einige einen erbitterter Kampf lieferten so schnell wie möglich runter zu rutschen. Hier waren natürlich klar die im Vorteil, die mehr Masse aufwiesen, da sie eine höhere Geschwindigkeit erreichten. Nachdem wir uns so richtig ausgetobt hatten, stärkten wir uns um gleich darauf weiter zu toben. Die Eisvögel und Falken quälten das Trampolin mit ihren Sprüngen so, dass es manchmal doch sehr quietschte, aber dennoch stehen blieb. Leider durften die Fledermäuse, Habichte, Luchse und die Kobra nicht mithüpfen, sie waren einfach so schwer und hätten gewiss es noch geschafft, dass das Trampolin zusammen bricht. Nachdem wir den halben Nachmittag auf der Rodelbahn verbracht hatten, dass ganze Geld in Fahrten verbrannt worden war, begaben wir uns auf den Rückweg. Auf dem Platz zog es die meisten wieder zum bzw. auf den See, der Rest sang, las, oder vertrieb sich mit einer anderen Beschäftigung die Zeit. Zum Abendessen zauberte uns das Küchenteam, wie an den vergangenen Tagen, ein fabelhaftes und schmackhaftes Essen. Das Essen trug das ganze Lager zur guten Laune bei, denn die Speisen die wir zu essen bekamen waren höchst Lager untypisch. Wir aßen Fischstäbchen, marinierte Schnitzel, Klöße, Schippers Käsespätzel, Schokocreme und noch viel weiter leckere Gerichte.


Nachdem die vergangenen Tage eher ruhig verliefen, war am Dienstag voller Einsatz gefragt, denn es sollten unsere eigenen Olympischen Spiele stattfinden (ohne Doping und natürlich fair ablaufend). In 3 Grüppchen mussten am See und an der angrenzenden Wiese die verschiedensten Aufgaben in der Gruppe gemeistert werden. Statt langweiligem Wettschwimmen hatten wir uns neue Disziplinen ausgedacht. Wettrennen durch das seichte Wasser mit Schwimmflügeln an den Beinen, was einfacher klingt als es in Wirklichkeit ist, denn durch die Schwimmflügel werden die Beine nach wenigen Meter schwer, sich gerade zu halten ist fast unmöglich uns so mancher fiel aus diesen Gründen einfach nach vorne, hinein ins kühle Nass. Die andere Disziplin war ein Luftmatratzenrennen zwischen zwei Gruppen bei dem eine/r aus dem Team auf der Matratze saß und der/die andere anschieben musste.
An Land folgten weitere sportliche Aufgaben wie Schubkarrenrennen oder sich an einem zwischen Bäumen gespannten Seil entlang hangeln, welches bei den meisten Gruppen, außer einen, nicht wirklich klappte, da die Kraft nachließ und der Schmerz durch das festklammern im größer wurde. Neben diesen höchst aktiven und anstrengenden Aufgaben gab es auch eine kreative Aufgabe, es musste ein Campingkind gefunden werden, dass geschminkt werden sollte.
Nachmittags sollten ein Ei und ein Apfel in nur einer Stunde in so viele Dinge getauscht und ein kurzer, zugeteilter Satz in die unterschiedlichsten Sprachen übersetzt werden. Quer über den Platz sausten die Gruppen und stießen auf helle Begeisterung von Seiten der Camper, die begeistert tauschten und, so gut wie es ihre sprachlichen Kenntnisse zuließen, den Gruppen beim übersetzen halfen. Nach der Stunde hatten wir neben Süßigkeiten, Früchte und Gemüse, kleinem Krimskrams auch ein Cityroller ertauscht, dem größtem ertauschtem Ding. Jeder Gruppe gelang es auch ihren Satz mindestens in 5 verschieden Sprachen übersetzten, zum Beispiel in Duutch oder Tschechisch. Am Abend lagen die Gruppen allen von den Punkten recht nahe beisammen, jedoch sollte es auch an diesen Abend zu keiner Entscheidung kommen, denn am Mittwoch gingen die Spiele noch weiter.
Frühzeitig brachen wir an diesen sonnigen Mittwochmorgen auf, denn für das heutige Stadtspiel sollte es nach Sonthofen gehen. Nach einer kurzen Busfahrt erreichten wir Sonthofen, welches sich durch ein Tal zog. Jede Gruppe erhielt auf dem Busplatz ein Büchlein mit unterschiedlichen Fotos, die Orte, die dort abgebildet waren, sollten in Sonthofen gefunden und genauer beschrieben werden. Damit es etwas leichter war, stand unter jedem Bild ein kleiner Tipp, wo das Bild zu finden war. Alle Gruppen machten sich nun auf den Weg in das Stadtzentrum um sich zum einen eine Karte zu besorgen als auch Informationen über den Ursprungsort der Bilder an der Touristeninformation zu erhalten. Manche Fotos und ihr Original wurden schnell gefunden wie zum Beispiel die Statur einer Hexe oder ein Wandgemälde, andere Fotos waren dagegen viel kniffeliger zu finden, da sie nicht im Ortszentrum oder verborgen zwischen anderen Dingen lagen. Dennoch hatten alle Gruppen bis zum Mittag jeden Ort der aufgenommen Bilder gefunden und der ganze Stamm traf sich zum Mittagessen auf einem Hügel der oberhalb der Stadt lag. Nachdem wir die Sonne noch ein bisschen genossen, traten wir den Rückweg an, denn der Himmel zog mit dunklen Wolken zu und unseren Bus wollten wir auf keinen Fall verpassen.
Zurück auf dem Lagerplatz hatte sich das Wetter wieder ins schöne gewandelt, so dass ein Großteil des Stammes wieder schwimmen gehen konnte. Leider blieb das Wetter nicht so schön, wie an den vorangegangenen Tag, sondern goss all das Wasser was uns erspart geblieben war in wenigen Stunden über uns aus. Ein starkes Gewitter zog über uns hinweg.  Deshalb war an Gemütlichkeit und eine nette Singerunde nicht zu denken, denn wir waren eher damit beschäftigt die Jurte von unnötigen Wasserbeulen zu befreien und Teppiche durch zusammenrollen vorm Wasser zu schützen. Nachdem der Sturm vorüber gezogen war setzten wir uns trotzdem noch einmal auf die wenigen trockenen Teppichstellen zusammen, wärmten uns an warmen Tschai auf, sangen und unterhielten uns.   
An unseren letzten Tag am Grüntensee klarte es noch einmal auf, sodass wir unser Zeltmaterial ziemlich trocken zusammen packen konnten. Alle halfen emsig die Jurte und Kohten abzubauen und zu verstauen oder die Kochutensilien noch einmal sauber zu schrubben. Pünktlich um 12 Uhr waren wir mit allem fertigen und schlossen das Lager mit einem Abschlusskreis ab, bevor es wieder heimwärts ging.
Natürlich läuft so ein Lager nie ohne Verletzte und Tote ab, aber abgesehen von einem Bänderriss durchs Fußball spielen, Sonnenbrand und Schürfwunden und das der halbe Stamm durch Magendarmgrippe nach dem Lager (und vier während) flach lagen, sind wir alle heil und vollständig nach hause gekommen.  

Teilnehmende Sippen waren die Eisvögel, Falken, Fledermäuse, Habichte, Luchse und eine Cobra.

 

 

alex, die - mai 2009